Regie Glückspilze Verena Endtner
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Statement Regie

Verena Endtner, Regie, über Glückspilze:


„Wenn du in das Gesicht eines Menschen schaust, erkennt du, ob er ein einfacher oder ein schwerer Start ins Leben hatte. Man sieht es am Ausdruck, der Mimik und vor allem in ihren Augen."                                 Gardi Hutter, Schweizer Clownin


Wir erlebten St. Petersburg in Aufbruchsstimmung: der Kapitalismus gedeiht und jeder versucht sein eigenes Business aufzubauen unter dem Motto: wer es jetzt nicht schafft, ist selber schuld! Daneben aber gibt es eine Gesellschaftsschicht, die den Anschluss verpasst hat, in die Armut schlitterte und ratlos den Sowjetzeiten nachtrauert, mit ihrem Recht auf Arbeit und Wohnung. Unser Film erzählt von Kindern, die in diesem Umfeld aufwachsen – ohne Perspektiven, ohne Zukunft. Viele flüchten auf die Strasse, rutschen in die Kleinkriminalität ab und werden von der Polizei gefasst und in staatliche Erziehungsheime gesteckt, wo sie wenig später wieder ausbrechen. Ein Kreislauf!

Für solche Jugendliche ist der Zirkus Upsala wie ein Rettungsanker. Mit unermüdlichem Eifer setzt sich Larissa, die Direktorin des Zirkus, für diese Kinder ein, bietet ihnen eine Zufluchtsstätte und neuen Lebenssinn.
Was mich am Zirkus Upsala besonders fasziniert, ist das Selbstverständnis, das Unmögliche möglich zu machen. Nach dem Motto, „wo ein Wille ist, gibt es einen Weg, auch wenn es ein Umweg sein sollte“ hat der Zirkus 10 Jahre überlebt, hat sich verändert, erneuert, ist fast zu Grunde gegangen und hat sich immer wieder aufgerappelt. Und diese Haltung spüre ich auch in unseren Protagonisten, die hartnäckig und jeden Tag aufs Neue um ein besseres Leben kämpfen.

Mit der Auswahl unserer Protagonisten haben wir versucht, ein möglichst breites Spektrum von sozial gefährdeten Kindern unterschiedlichen Alters darzustellen. Gleichzeitig wird klar, wie schicksalhaft gewisse Begegnungen sein können. Wäre Mischa vor 10 Jahren nicht von Upsala entdeckt worden, würde er heute wohl auf der Strasse leben, so wie Nastja. Der 6-jährige Danja, der verzweifelt Adoptiveltern sucht, könnte in ein paar Jahren in einer ähnlichen Situation sein wie Igor und dieser läuft Gefahr, auf der Strasse zu landen.

Auch in der westlichen Welt ist die Anzahl von vernachlässigten Kindern, die sich auf der Strasse sozialisieren, rasant zunehmend. Vielleicht haben wir engere Auffangnetze hier, aber die Grundproblematik bleibt bestehen. In einer Zeit, in der die olympischen Winterspiele von Sotchi vor der Tür stehen und die Adoption von russischen Kindern nicht nur in diplomatischen Kreisen für Schlagzeilen sorgt, gewinnt der Film zusätzlich an Bedeutung.

Zur Person

Verena Endtner wuchs in Bern auf, machte ihren Master auf Biologie und studierte anschliessend in London und Vancouver Film.
Seit 2004 ist sie Geschäftsführerin der Produktionsfirma ALOCO GmbH in Bern.
Sie realisiert freie Dokumentarfilme und Auftragsfilme.

 

Filmografie: Dokumentarfilme

«Thun bewegt » 47 Min.
«Der Streik wird salonfähig » 43 Min.
«Mark Buchmann - ein Handlager des Selbst » 50 Min.
«The Goldweaver » 43 Min.

Wikipediaeintrag von Verena Endtner

Verena Endtner